Wie Sustainable Value berechnet wird

Der Sustainable-Value-Ansatz ist ein wertbasierter Ansatz zur Messung der Nachhaltigkeitsleitung von Unternehmen auf Basis der Opportunitätskostenlogik. Um den Sustainable Value eines Unternehmens (oder anderen organisatorischen Einheit) zu berechnen, muss bestimmt werden, wo die ökonomischen, ökologischen und sozialen Ressourcen eines Unternehmens mehr Ertrag schaffen: im Unternehmen oder im Benchmark. Demzufolge zeigt der Sustainable Value wie viel mehr Ertrag mit einem Bündel an Ressourcen in einem Unternehmen im Vergleich zum Benchmark geschaffen werden kann.

Das folgende Beispiel erläutert die Bewertungslogik einer Sustainable-Value-Bewertung am Beispiel des Konsumgüterherstellers Henkel im Jahr 2004.

Henkel emittierte im Jahr 2004 806.173 Tonnen CO2. Gleichzeitig erwirtschaftete Henkel eine Bruttowertschöpfung aus operativer Geschäftstätigkeit von 3.219 Mio € und demzufolge 3.993 € pro Tonne CO2. Die deutsche Volkswirtschaft hingegen generierte lediglich 2.534 € Bruttoinlandsprodukt pro Tonne CO2. Um die Opportunitätskosten der CO2-Emissionen von Henkel zu bestimmen, wird ermittelt, wie viel Ertrag andere Wirtschaftssubjekte, hier die deutsche Volkswirtschaft, mit Henkels CO2-Emissionen geschaffen hätte. Also multiplizieren wir die 806.173 Tonnen CO2-Emissionen von Henkel mit der CO2-Effizienz des Benchmarks (806.173 Tonnen x 2.534 € pro Tonne CO2 = 2,04 Mrd. €). Die Opportunitätskosten der CO2-Emissionen der Firma Henkel belaufen sich daher auf rund 2 Milliarden €. Der Ertrag, den Henkel mit Hilfe der CO2-Emissionen geschaffen hat, liegt über den Opportunitätskosten, d.h. dem Ertrag, den der Benchmark mit den CO2-Emissionen geschaffen hätte. Henkel hat demnach seine CO2-Emissionen im Vergleich zur deutschen Volkswirtschaft wertschaffend eingesetzt. Der Wertbeitrag, den Henkel mit seinen CO2-Emissionen geschaffen hat, ist positiv und beläuft sich auf circa 1,2 Milliarden €.

Um herauszufinden, ob ein Unternehmen alle seine Ressourcen wertschaffend einsetzt, wenden wir diese Logik auf alle betrachteten Ressourcen des Unternehmens an. Für jede Ressource vergleichen wir den Ertrag, den das Unternehmen mit der Ressource geschaffen hat, mit dem Ertrag, den der Benchmark mit dieser Ressource geschaffen hätte (=Opportunitätskosten). Die Differenz beider Werte nennen wir Wertbeitrag. Der Wertbeitrag zeigt demnach, wie viel mehr oder weniger Ertrag durch den Einsatz der einzelnen Ressource im Unternehmen im Vergleich zum Benchmark geschaffen wurde. Zuletzt wird dann die Summe der Wertbeiträge durch die Anzahl der berücksichtigten Ressourcen geteilt. Als Ergebnis erhalten wir den Sustainable Value. Im gewählten Beispiel schaffte Henkel einen Sustainable Value von fast 1,3 Milliarden €, d.h. Henkel generierte mit den in diesem Fall in der Bewertung berücksichtigten Ressourcen fast 1,3 Milliarden € mehr Ertrag als die deutsche Volkswirtschaft im Durchschnitt mit eben diesen Ressourcen geschaffen hätte.

Der Sustainable Value

Der Sustainable Value als absolute Zahl zeigt demnach, wie viel mehr (bei einem positiven Sustainable Value) oder weniger (bei einem negativen Sustainble Value) Ertrag ein Unternehmen mit seinen Ressourcen im Vergleich zu einem Benchmark schafft. Als absolute monetäre Zahl ist der Sustainable Value von der Größe eines Unternehmens abhängig. Um diesen Größeneffekt zu eliminieren, kann man den Sustainable Value zu einem anderen Indikator, der die Größe des Unternehmens widerspiegelt, wie z.B. den Opportunitätskosten, ins Verhältnis setzen. Das Ergebnis nennen wir Ertrags-Kosten-Verhältnis (EKV). Das EKV setzt den Ertrag des betrachteten Unternehmens ins Verhältnis mit dem Ertrag, den ein Benchmark mit seinen Ressourcen geschaffen hätte.

Der Sustainable Value
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Im Jahr 2004 betrug Henkels Bruttowertschöpfung aus operativer Geschäftstätigkeit das 1,7-fache der Opportunitätskosten des Ressourceneinsatzes, d.h. mit identischem Ressourceneinsatz schuf Henkel 1,70 € Bruttowertschöpfung, während die deutsche Volkswirtschaft nur 1 € geschaffen hätte. Henkel setzt demnach die sechs betrachteten Ressourcen 70% effizienter ein als das durchschnittliche Unternehmen in der deutschen Volkswirtschaft.

Das Ertrags-Kosten-Verhältnis (EKV) zeigt also, um welchen Faktor ein Unternehmen seine Ressourcen effizienter oder weniger effizient einsetzt als der Benchmark. Ein EKV > 1 besagt hierbei, dass das Unternehmen seine Ressourcen effizienter einsetzt als der Benchmark. Ein EKV < 1 zeigt, dass das Unternehmen seine Ressourcen weniger effizient einsetzt als der Benchmark. Ein EKV von 1 : 2 besagt zum Beispiel, dass ein Unternehmen seine Ressourcen nur halb so effizient einsetzt wie der Benchmark. Das EKV ist eine relative Kennzahl zur Messung von unternehmerischer Nachhaltigkeit im Vergleich zu einem Benchmark.

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